Practicing Place – Soziokulturelle Praktiken und epistemische Konfigurationen

Das Kolleg widmet sich der interdisziplinären Reflexion der Konzepte Ort und Verortung, denn gerade im Kontext zunehmender globaler Interdependenzen und grenzenlos gewordener medialer Kommunikation gewinnen Orte und Prozesse der (Neu-)Verortung sozial, kulturell und politisch an Brisanz. Leitgedanke des Kollegs ist, dass Orte nur dynamisch, als practicing place gedacht werden können. Entsprechend werden sowohl spezifische Praktiken der Herstellung von Orten und ihre epistemischen Konfigurationen (z.B. das Erfassen, Kartographieren, Imaginieren, Erfahren und Erschreiben von Orten) als auch Situiertheit und Lokalität als Aspekte jeglicher Praxis in den Blick genommen. Jede Praxis ist durch vorgefundene und zugleich durch performativ neu konstituierte und entworfene topoi, Orte und Ortsbezüge gekennzeichnet. Ein erlebter Ort lässt sich nicht statisch im Singular denken oder (etwa als ‚die eine Heimat’) affirmieren; vielmehr muss er als vielfältig und kontrovers entworfenes und erfahrenes, kommunikatives, affektives Bezugssystem analysiert werden. Jede Praxis ist mit Strategien der Relationierung über-, unter- und nebengeordneter Orts-, Raum- und Zeitstränge verbunden: Vereinnahmung, Aneignung, Teilhabe und Ausgrenzung sind Aspekte situativer Verortungen, die in sozialen, ökonomischen, imaginativen, fiktionalen, künstlerischen und medialen Praktiken fortlaufend (re-)produziert werden. Die Leitfrage des Kollegs ist entsprechend, wie Orte in Konfigurationen sedimentierter und gelebter Praxis hergestellt, (de-)stabilisiert, reproduziert und modifiziert werden und wie die so hervorgebrachten Orte wiederum künftige (Verortungs-)Praktiken prägen. Anders gesagt: Die das Kolleg tragende Fragestellung ist weniger an der Frage „Wo und was ist ein Ort?“ interessiert, die eher traditionellen Zugängen entspricht, sondern sie stellt die „Wie“-Frage nach den Verortungspraktiken ins Zentrum des wissenschaftlichen Interesses.

Die besondere interdisziplinäre Zusammensetzung der das Kolleg tragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ermöglicht eine innovative Verbindung und gegenseitige Fruchtbarmachung von Praxissoziologie, Philosophie, Humangeographie und Literatur- und Kulturwissenschaften. Im Kolleg arbeiten Promovierende, Postdoktorandinnen und Postdoktoranden mit den betreuenden Hochschullehrerinnen und -lehrern, Projektpartnerinnen und -partnern eng zusammen; letztere stehen für verschiedene, seit langem kontinuierlich ausgebaute disziplinäre Netzwerke. Die Arbeit des Kollegs ist darauf ausgerichtet, die Theoriebildung kreativ und in interdisziplinärem Austausch voranzutreiben und damit junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktiv in das akademische Arbeiten und in gemeinsames Forschen einzubinden.

Aktuelles

CfP: ‚Here, There, and Somewhere in Between: Placing, Practicing, Configuring‘ Mid-term conference GRK ‘Practicing Place’

We are delighted to share the call for papers for the mid-term conference of GRK ‚Practicing Place‘. ‚Here, There, and Somewhere in Between: Placing, Practicing, Configuring‘ will be held on the 10th and 11th of November 2022, please submit your abstracts by June 15th – we are looking forward to reading your submissions. PDF version of […]

Podcast: Episode 4

Your host for the fourth episode of Thereabouts: The Practicing Place Podcast, will guide you on a movement through the city in a discussion of guided walking tours. Phd fellow Shruti Malik is joined by historian and walk leader Sohail Hashmi to talk about the practices of walking together in a group as a means […]

Podcast: Episode 3

The third episode of Thereabouts: The Practicing Place Podcast is now online. In this episode, your host, PhD fellow David Kempf, takes on the beautiful game. Joined by his guest, sports-scientist and sociologist Kristina Brümmer – currently a visiting professor at Goethe Universität, Frankfurt am Main – they tackle the proliferation of video analysis as […]